Was die neue EU-Verpackungsverordnung für Pharma-Packmittel bedeutet
Monomaterial-Blister: Warum die PPWR schon heute die Reinzeichnung verändert
Die EU-Verpackungsverordnung (PPWR) wird mittelfristig auch die Pharma- und Medizintechnik-Branche betreffen. Zwar gelten für Arzneimittelverpackungen zunächst Übergangsfristen bis 2035 beziehungsweise 2040 – doch schon heute ist in der Branche Handeln angesagt.
Was auf der interpack 2026 konkret zu sehen war
Auf der interpack 2026 war das deutlich zu sehen: Vier Verpackungsunternehmen, darunter Uhlmann Pac-Systeme, haben gemeinsam einen Pharma-Blister aus einem einzigen Kunststoff (Monomaterial) entwickelt und unter realistischen Produktionsbedingungen getestet. Ziel ist ein Packmittel, das den strengen Anforderungen der Pharmaindustrie entspricht und gleichzeitig besser recycelbar ist als klassische PVC-Aluminium-Blister.
Wie ernst die Branche das Thema nimmt, zeigt auch die Marchesini Group: Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben ein interdisziplinäres Team aufgebaut, das sich gezielt mit neuen Verpackungsmaterialien und deren Verarbeitungseigenschaften beschäftigt. „Wir treiben die Ablösung von PVC durch recycelbare Monomateriallösungen voran – etwa bei Blistern und Trays – und setzen dabei auf Materialien wie R-PET, PP und PVC-freies Aluminium", erklärt Valerio Soli, CEO der Marchesini Group. Auch andere Maschinenhersteller ziehen nach: Romaco etwa produziert auf seiner neuen Plattensiegelmaschine Noack N 760 Blisterpackungen bereits aus recyclingfähigem PET-Monomaterial.
Der Trend beschränkt sich dabei nicht auf Blister. Auch bei Tuben zeigen sich vergleichbare Entwicklungen: Hoffmann Neopac hat eine Monomaterial-Barrieretube aus HDPE mit pharmatauglicher Kontaktschicht entwickelt, die laut Unternehmen bis zu 35 Prozent weniger Kunststoff im Tubenrumpf benötigt und über den Lebenszyklus zu einem um bis zu 47 Prozent reduzierten CO2-Ausstoß führen soll.
Was das für die Praxis bedeutet
Aus meiner Sicht – zwischen Labor und Reinzeichnung – sind Materialumstellungen wie diese nie nur eine Frage der Produktion. Sie wirken sich direkt auf Packmittel-Layout, Drucktechnik und Kennzeichnung aus: andere Materialstärken, veränderte Bedruckbarkeit, teils angepasste Prüfprozesse in der Qualitätskontrolle. Gerade beim Wechsel von der etablierten PVC-Aluminium-Kombination zu neuen Monomaterialien wie R-PET oder PP verändern sich Siegeleigenschaften und Barrierewerte, die für den Produktschutz empfindlicher Arzneimittel entscheidend sind – und die entsprechend neu validiert werden müssen.
Wer solche Umstellungen frühzeitig mitdenkt, statt sie erst kurz vor der Umsetzung zu berücksichtigen, spart sich später aufwendige Nacharbeit bei Reinzeichnung und Freigabe.
Falls bei Ihnen eine Materialumstellung ansteht oder ansteht könnte: Ich verbinde Laborpraxis aus der pharmazeutischen Qualitätskontrolle mit über 20 Jahren Erfahrung in der Packmittel-Reinzeichnung – gerne im persönlichen Austausch.
Quellen
- interpack, 2026 – interpack 2026 zeigt Processing & Packaging für die Pharmaindustrie
- interpack (englisch) – interpack 2026 showcases processing & packaging for the pharmaceutical industry
- WPT Fachportal, 24.04.2026 – Pharmaverpackungen im Wandel – Interpack 2026 bündelt Lösungen in drei Hallen
- prozesstechnik.industrie.de, 21.10.2025 – Die Zukunft der Pharmaverpackung: Ein Ausblick auf die Interpack 2026
- packaging journal, 22.12.2025 – Pharmaverpackung zwischen Nachhaltigkeit, Hightech und globalem Marktdruck
- interpack – Die Trends bei der Tube (Monomaterial-Tuben: Hoffmann Neopac, Tubex Wolfsberg)
- interpack – Die Zukunft der Pharmaverpackung: Zwischen Nachhaltigkeit, Hightech und globalem Marktdruck
Adrian Kempf
Redakteur für Pharma-Kommunikation, Grafik- und Mediengestalter,
Kirchzarten im Dreisamtal
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