Wenn Nachhaltigkeit auch die Reinzeichnung verändert
Kunststoff-Trays gehören seit Jahrzehnten zur Standardausstattung in der Pharma- und MedTech-Verpackung – etwa für Autoinjektoren, Pens oder Diagnostiklösungen. Mit der EU-Verpackungsverordnung 2025/40 (PPWR) geraten sie zunehmend unter Druck: höhere Anforderungen an Recyclingfähigkeit, steigende Materialabgaben, strengere Vorgaben.
Zwei Unternehmen, eine gemeinsame Lösung
Als Antwort darauf haben Faller Packaging und Harvest Packaging faserbasierte Trays entwickelt – ein Monomaterial aus verantwortungsvoll gewonnenen, FSC-zertifizierten Fasern, PFAS-frei und vollständig recyclingfähig. Die Fasern werden im sogenannten Wet-Moulded-Fibre-Verfahren in Formwerkzeugen unter Druck und Temperatur verdichtet; eine In-Mould-Härtung sorgt für Formstabilität und eine glatte, dichte Oberfläche mit hoher Dimensionsstabilität. Laut Hersteller lassen sich bestehende Kunststoff-Trays dadurch nahezu identisch ersetzen, ohne Einbußen beim Produktschutz – jede Kavität wird im Werkzeug exakt definiert, sodass auch bei hohen Stückzahlen eine gleichbleibende Passgenauigkeit gewährleistet bleibt.
„Verpackungen sollen nachhaltig, prozesssicher und skalierbar sein", beschreibt Niklas Mößner, Head Business Development & B2B Marketing bei Faller Packaging, den Anspruch an die Kooperation. Neil Reilly, Gründer und CEO von Harvest Packaging, ergänzt, das Ziel sei gewesen, die typischen Einschränkungen klassischer Formfaser-Lösungen zu überwinden. Für Pharmaunternehmen mit ambitionierten Nachhaltigkeitszielen kann der Materialwechsel darüber hinaus dazu beitragen, sogenannte Scope-3-Emissionen in der Lieferkette zu reduzieren sowie kunststoffbezogene Abgaben und EPR-Gebühren (Extended Producer Responsibility) zu senken.
Was das für Packmittel-Layout und Produktion bedeutet
Ein Materialwechsel wie dieser bleibt selten nur eine Frage der Verpackungstechnik. Faserbasierte Oberflächen verhalten sich beim Bedrucken anders als glatte Kunststoffoberflächen – Farbauftrag, Kontrast und Lesbarkeit von Kennzeichnungen müssen neu geprüft werden. Auch die Haptik und Formgebung wirken sich auf die Gestaltung von Sekundärverpackung und Beileger aus.
Besonders bei komplexeren Verpackungslösungen – etwa Injektionssystemen wie Autoinjektoren, Pens oder Kits mit mehreren Vials und Zubehör – reichen Standardfaltschachteln ohnehin oft nicht aus, weshalb hier ganzheitliches Verpackungs-Engineering von der ersten Idee bis zur Serienreife gefragt ist. Ein Materialwechsel bei den innenliegenden Trays betrifft in solchen Fällen unmittelbar auch das Zusammenspiel mit der äußeren Faltschachtel, den Etiketten und der Packungsbeilage.
Aus meiner Praxis heraus
Wer eine Materialumstellung frühzeitig mit Reinzeichnung und Qualitätskontrolle zusammendenkt, vermeidet spätere Überraschungen bei der Freigabe. Genau an dieser Schnittstelle – zwischen neuem Material und bestehendem Packmittel-Layout – lohnt sich ein früher Blick von beiden Seiten.
Quellen
- Faller Packaging – Faserform-Trays ersetzen Kunststoff-Inlays – nachhaltige Pharma-Verpackung
- Faller Packaging – Nachhaltige Faserform-Trays als Alternative zu Kunststoff
- Faller Packaging – Faser statt Kunststoff: Praxistaugliche Tray-Lösung für Pharma
- packaging journal, 29.04.2026 – Nachhaltige Faserform-Trays als Verpackungsalternative
- paper-world.com, 22.05.2026 – Faller Packaging und Harvest Packaging: Praxistaugliche Trays für die Pharmaindustrie
- process.vogel.de, 22.10.2025 – Faserform-Trays für die Pharmaindustrie als Ersatz für Kunststoff-Trays
- prozesstechnik-portal.com – Pharma E-Mag, Ausgabe 7/2025
Adrian Kempf
Redakteur für Pharma-Kommunikation, Grafik- und Mediengestalter,
Kirchzarten im Dreisamtal
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